Kohle weckt Erinnerungen

Auf Kohle geboren. Das sind wir hier im Revier. Da passt das Angebot des LWL-Industriemuseums besonders gut ins Konzept von Einrichtungen der Altenpflege wenn es darum geht, Erinnerungen bei den Bewohnerinnen und Bewohnern zu wecken. Viele von ihnen verbindet eine persönliche Geschichte mit dem Bergbau. Und so passiert es, dass bei dem lebhaften Vortrag des Steigers so mancher aus dem Nähkästchen plaudert.

Die AWO Bottrop hat das Programm “Kohle weckt Erinnerungen” als festen Bestandteil in ihre Betreuungsangebote aufgenommen und uns eingeladen, im Rahmen von “Wir können Pflege!” darüber zu berichten. Viel Spaß mit dem Video und Glück auf!

Wir können Pflege!

Im Oktober fiel der Startschuss zur Fachkräfteoffensive und Markenbotschafterkampagne „Wir können Pflege!“. Für mich persönlich ist das mehr als ein Projekt. Es ist mir ein persönliches Anliegen, dem Pflegeberuf durch die zahlreichen Pflegekräfte in der Altenhilfe eine authentische Stimme zu verleihen und echte Gesichter zu zeigen. Das Projekt stellt diesen gesellschaftlich wichtigen Berufszweig in all seinen Facetten dar und gibt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die entsprechende Wertschätzung, die sie verdienen.

Ein Zwischenfazit – und was “das Projekt” mit mir macht

Seit nunmehr 6 Monaten besuche ich Pflegeeinrichtungen in Gelsenkirchen und Bottrop. Dazu gehören große Träger wie beispielsweise die AWO und die Diakonie, APD als einer der größten ambulanten Pflegedienste auf Bundesebene und größter Anbieter in Gelsenkirchen sowie viele andere Pflegedienste. Ich habe vollstationäre, teilstationäre Pflege (Kurzzeit- und Tagespflege) und das neuartige Konzept der Demenz-WGs kennengelernt. wkpapd4652-1024x683

Seither habe ich viele Pflege- und Betreuungskräfte kennengelernt, habe berührende Geschichten gehört und mir ein Bild davon verschaffen können, was in der Pflege so abgeht. Ich habe Auszubildende aller Altersklassen kennengelernt. Dass es angeblich so viele Menschen gibt, die mit 45+ eine Ausbildung in der Pflege beginnen, das hielt ich vorher für ein Gerücht. Ich wusste nicht, dass es so viele Betreuungsangebote gibt – angefangen von der Gymnastik über hauswirtschaftliche Tätigkeiten bis hin zum Basteln und gemeinsamen Ausflügen. Ich war beim Snoezeln dabei, habe gesehen, wie Wundversorgung funktioniert, habe Menschen schreien, lachen und weinen sehen. Ich habe meine Angst abgelegt vor dieser Krankheit, die Demenz heißt. Dabei haben mir Pflegekräfte und Einrichtungsleitungen geholfen. Nun gehe ich ganz natürlich mit dementiell veränderten Menschen um. „Bei uns zieht keine Krankheit ein, sondern ein Mensch“, das war eine Aussage, die ich von einer Hausmutter einer Demenz-WG hörte.

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Mir ist der Perspektivwechsel gelungen, ich gehe unbeschwert mit den Menschen in den Einrichtungen um. Es klingt komisch, aber mich fasziniert Demenz auch! Ich habe Interviews mit kranken und gesunden Bewohnerinnen und Bewohnern geführt, so auch mit 95Jährigen, die noch verhältnismäßig fit sind. Wir haben zusammen gelacht, ich habe ihren faszinierenden Lebensgeschichten gelauscht, und manchmal haben wir auch gemeinsam ein Tränchen verdrückt. Als bei der AWO in Bottrop-Fuhlenbrock eines Nachmittags aus einem Gemeinschaftsraum das Steigerlied erklang, gesungen von Bewohnerinnen und Bewohnern, da brach bei mir engültig die Staumauer.

Wer sind die Menschen, die in der Pflege arbeiten?

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Aus meinen Eindrücken kann ich sagen, dass Pflegekräfte ein besonderes Gen haben, über das nicht jeder verfügt. Klar, denn Pflege kann auch nicht jeder. Um es ein wenig zu umreißen: Patent, weitsichtig, umsichtig, zugewandt, klar in den Aussagen, anpackend, kundenorientiert, das Herz am rechten Fleck, entscheidungsfreudig, lernbereit. Es ist toll zu sehen, wie die Pflegekräfte Hand in Hand miteinander arbeiten, wie sie sich als Manager ihrer Patienten bzw. Bewohner Gedanken über die Pflegeprozesse machen, Maßnahmen ergreifen, dass es den ihnen anvertrauten Menschen gut und besser geht und sich immer wieder selbst überprüfen. Ich habe schon in und für unterschiedlichste Branchen gearbeitet, doch keine Branche setzt so stark auf Aus- und Fortbildung wie die Pflege. Mit Menschen an Menschen zu arbeiten, das erfordert ein hohes Maß an Empathie, Verantwortungsbewusstsein und innerer Stärke. Wer beides nicht hat, bleibt auf der Strecke. Ich habe niemanden kennengelernt, der jammert. Durchaus höre ich von Pflegekräften kritische Stimmen, was die Bezahlung und die aufwändigen Dokumentationen betrifft. Aber jammern? Gibt‘s nicht. Mein Bruder, selbst im zweiten Berufsleben Altenpfleger, sagte letztens zu mir: „Pflege ist nichts für Weicheier!“ Stimmt.

Es geht um mehr als satt und sauber

Was man in der Öffentlichkeit über die Altenpflege wahrnimmt, das sind häufig Geschichten über desaströse Zustände in Pflegeheimen. Natürlich gibt es auch die, das ist nicht von der Hand zu weisen. Doch wo bleiben denn die guten Geschichten? Die Geschichten über Menschen, die ihren kaufmännischen Beruf an den Nagel gehängt haben, weil sie mit Menschen arbeiten und Verantwortung übernehmen wollen? Wer sagt denn endlich mal, dass Altenpflege nicht nur bedeutet, alten Menschen den Hintern abzuwischen (das ist nur ein klitzekleiner Teil der Gesamtverantwortung!)? Wo sind die Berichte über zahlreiche Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, die kaum eine andere Branche vorhält? Wo sind denn die Erzählungen über die alleinerziehende Mutter, die eine Ausbildung zur Pflegehelferin und dann zur Pflegefachkraft gemacht hat und von ihrem Arbeitgeber dabei unterstützt wird, Arbeit und Familie miteinander zu vereinbaren? Das gilt es, in der Öffentlichkeit zu platzieren.

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Mut machen!

„Wir können Pflege!“ gibt Antworten, berichtet über berufliche Entwicklungswege und Chancen, lässt Bewohner und Patienten zu Wort kommen. Es soll Menschen in der beruflichen (Um)Orientierung Mut machen, mal in die Altenpflege reinzuschnuppern. Und es klärt auf, welche Fördermöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit bestehen.

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Fotos: Uwe Jesiorkowski

Von langweiligen Stellenanzeigen und wie es besser gehen kann

Ausschnitt aus einer Stellenbeschreibung

Ausschnitt aus einer Stellenbeschreibung

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wenn es etwas gibt, was sich nicht wirklich verändert hat, dann sind es die Stellenanzeigen der Pflegebetriebe. Sorry, Leute, aber es wird Zeit, mal einen neuen Weg einzuschlagen. Diese Textwüsten will doch keiner mehr lesen. Und jüngere Zielgruppen lockt ihr damit nicht mehr hinter dem Ofen hervor. 

Ich frage mich immer wieder, warum es so schwierig ist,  neue Denkprozesse nicht nur in den Köpfen der Verantwortlichen in Gang zu setzen, sondern endlich neue Wege einzuschlagen.

Hier ein paar Impulse:

  • Die HR-Blogger von Wollmilchsau sind da mal auf eine gelungene Stellenanzeige gestoßen und haben kommentiert, was genau daran aus ihrer Sicht so gut ist. Eine Textwüste – auf den ersten Blick, aaaber: allein schon der Einstiegsatz, dass dort “einige Dinge anders laufen” und man sich “darüber im Klaren” sein sollte, das finde ich echt gelungen.
    Genau solche Offenbarungen finde ich für Pflegeberufe wichtig. Dazu gibt es ein Beispiel: Ich führte kürzlich Interviews mit Mitarbeiterinnen aus einer Pflegeeinrichtung, die darüber berichteten, dass sie “durch den Tag schwimmen”. Dass man nie weiß was kommt. Hier mal ein Zitat der Einrichtungsleiterin, die an die Eigenverantwortung der Beschäftigten apelliert: ” Wir brauchen Menschen, die Position beziehen, ihre Meinung sagen und auch den Mut haben, anderen mal den „Marsch zu blasen“, wenn sie sehen, dass Dinge nicht richtig gemacht werden! Solche Persönlichkeiten sind uns tausendmal lieber als „verschüchterte Duckmäuser“, die sich hinter Anweisungen und Vorgaben verstecken!” Das ist doch mal eine Aussage mit Schlagkraft. Es ist für Bewerberinnen und Bewerber wichtig zu wissen, worauf sie sich einlassen und was da auf sie zukommt. Diese Interviews werden in Kürze zusammen mit einem Video auf der Internetseite veröffentlicht. Dazu bald mehr….
  • Jeder weiß, dass die Gehälter in der Pflege besser sein könnten und sollten. Dennoch bieten viele Einrichtungen zusätzliche Goodies an: Das Jobticket, bezahlte Weiterbildungen, für die man keinen Urlaub nehmen muss und so weiter. Da gibt es einiges, mit dem viele Betriebe aufwarten können. Es sind nicht immer die “großen” Dinge, sondern die Summe mehrerer Angebote.
  • Mit Bildern von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeiten und mit Zitaten. Erkennbar darstellen, dass es sich um “echte” Beschäftigte handelt.
  • Ein Video einbinden, das Innenansichten des Betriebes zeigt und Fachkräfte zu Wort kommen lässt. Authentische, nicht weichgespülte Bilder wohlgemerkt. Das erzeugt ein erstes Bild in den Köpfen potentieller Bewerber: ach, die oder der arbeitet da! Ach, so sieht das dort aus! Immer wieder gut finde ich die Videos auf der Internetplattform  http://www.soziale-berufe.com/

Natürlich investiert man in Zeit und Arbeit, wenn man sich als Arbeitgeber damit beschäftigen muss. Wandeln wir das “muss” mal um in “sollte”. Attraktiv wird ein Arbeitgeber nur, wenn er sich authentisch darstellt und die Sprache seiner Zielgruppe spricht.

Nur Mut. Wenn Sie gute Beispiele haben, dann schicken Sie mir diese gern an lameck[at]kcr-net.de. Wir möchten gute Beispiele sammeln und sie veröffentlichen.

 

Gut für die Unternehmenskultur: Der Feel Good Manager

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In letzter Zeit stolpere ich immer wieder über den Begriff des Feel Good Managers. Das klingt zunächst sehr nach jemand, der ständig Kamelle wirft und feuchtfröhliche Partys organisiert. Ok, einer muss auch diesen Job machen…Doch das allein macht nun wirklich nicht das Berufsbild aus.

Wozu sollte ein Feel Good Manager gut sein?

Betriebe unternehmen heute größere Anstrengungen bei der Rekrutierung neuer Fach- und Führungskräfte als noch vor wenigen Jahren. Zunächst heißt es, sich im Außen attraktiv zu machen und ein gutes Bild abzugeben, um für potentielle Bewerberinnen und Bewerber interessant zu sein. Sind die Neuzugänge erstmal da, dann heißt es, diese auch zu halten. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei dem demografischen Wandel ein knappes Gut, das gehegt und gepflegt werden möchte. Beim Feel Good Manager handelt es sich meist um eine gute Seele im Betrieb, die sehr nah mit der Geschäftsleitung verlinkt ist und den Auftrag hat, sich um Kommunikation, Teamgeist und offene Strukturen zu kümmern. Alle sollen sich wohlfühlen und gerne zur Arbeit kommen. Außerdem schafft diese Funktion viele Möglichkeiten, die Kommunikation und den Zusammenhalt im Betrieb zu verbessern. Hierzu gehört beispielsweise, dass Neuzugänge im Betrieb es leichter haben, sich zurechtzufinden. Der Feel Good Manager kümmert sich in einer Art Patenfunktion darum, den neuen Kollegen einen guten Überblick über den Betrieb zu geben und in einen leichten Kontakt mit den anderen Kolleginnen und Kollegen zu kommen. Häufig übernimmt er auch HR-Aufgaben, besonders in kleineren Betrieben. So arbeitet er an der Außenwahrnehmung des Unternehmens oder organisiert und terminiert regelmäßige Mitarbeitergespräche. Damit der Spaß nicht zu kurz kommt, übernimmt er die Planung von Sportgruppen, Stammtischen und Events. Benötigt jemand aus dem Betrieb einen Kita-Platz für die Tochter oder eine Beratung für die Pflege der Eltern, vermittelt der Feel Good Manager auch das. Kurzum: Er trägt zu einer gesunden Unternehmenskultur bei. Das Schöne an dem Job: er kann sein Aufgabengebiet sehr kreativ gestalten und eigene Akzente setzen, denn es gibt bei diesem Berufsfeld kein starres Korsett.

Was sollte ein Feel Good Manager mitbringen?

Grundsätzlich sollte ein Feel Good Manager gut organisieren können, offen für Neues sein, kreative Ideen haben und selbst ein guter Netzwerker im eigenen Betrieb und nach außen sein. Darüberhinaus ist es sicherlich förderlich, sich mit Personalthemen auszukennen.

In welchen Betrieben findet man denn bereits Feel Good Manager?

Es ist nicht verwunderlich, dass besonders die Kreativ- und Digitalbranche Feel Good Manager beschäftigt. Häufig kommen in Unternehmen dieser Branchen junge Menschen aus allen Himmelsrichtungen und unterschiedlichsten Kulturen zusammen. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen immer mehr. Besonders für junge Generationen spielen weiche Faktoren wie gute Stimmung und soziale Aktivitäten seitens des Unternehmens eine immer wichtigere Rolle. Darüber hat der Spiegel bereits berichtet.

Häufig handelt es sich um Assistentinnen der Geschäftsführung oder um Mitarbeiterinnen aus Personalabteilungen. Ich persönlich halte es für ratsam, den Feel Good Manager nicht explizit auf der Visitenkarte zu verankern, um so das Stigma des “Partygotts” zu vermeiden.  Es gibt dem Aufgabengebiet einen berechtigten seriösen Rahmen, wenn beispielsweise so etwas wie “Gesundheitsmanagement und Soziales” auf der Visitenkarte steht.

Und was hat ein Pflegebetrieb davon, einen Feel Good Manager zu haben?

Die Arbeit in der Pflege verlangt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seelisch und körperlich eine Menge ab. Es wird immer wichtiger, betriebliche Maßnahmen zu schaffen, um die Arbeitskraft zu erhalten. Hinzu kommt die steigende Anzahl von Pflegekräften aus anderen Kulturen. Verständnis untereinander muss häufig neu gelernt werden, nicht nur, was sprachliche Barrieren betrifft. Da ist es gut, eine Vertrauensperson im Betrieb zu haben, die dafür sorgt, dass diese Werte gelebt werden können.

Julia Engelmann und die 5 Erfolgsfaktoren ihres angesagten YouTube-Videos

Gibt man bei Google das Wort „Julia“ ein, erscheint Julia Engelmann an zweiter Stelle direkt hinter Julia Roberts. Sie fragen sich jetzt vielleicht, wer die andere Julia ist? Julia Engelmann aus Bremen ist eine Psychologiestudentin und Poetry Slammerin. Das sind nicht unbedingt aussagekräftige Attribute, um bei Google in der Suche ganz vorne zu landen. Und, ja, sie hat alles richtig gemacht!


Julia Engelmann erlangte mit einem YouTube Video eine sagenhafte Bekanntheit, nachdem Kai Thrun ein sechs Monate altes Poetry-Slam-Video in seinem Blog und bei Facebook postete. Die Botschaft verbreitete sich rasant. Waren es am 17. Januar noch 300.000 Abrufe bei YouTube, so steigerte sich das Video zu einem Hit im Netz und zählt drei Tage später 2,5 Millionen Abrufe.

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Quelle:YouTube

Was macht den viralen Erfolg aus?

  1. Relevanz: Julia bezieht sich in ihrem poetischen Slam auf das Lied „One day / Reckoning Song“ von Asaf Avidan. Die Textzeile „One day, baby, we’ll be old, oh, baby, we’ll be old and think of all the stories that we could have told“ rüttelt auf sentimale Weise unsere eigene Fehlbarkeit auf und erinnert uns daran, dass wir unser Dopamin aufsparen, falls wir es mal brauchen.
  2. Der Zeitpunkt: In ihrem Text bezieht sie sich auf die üblichen Vorsätze zu Silvester. Gute Vorsätze zum neuen Jahr gehören zum Menschen wie die Lindenstraße am Sonntag. Noch sind die Vorsätze frisch. Auch deshalb zielt der Text voll ins Herz.
  3. Der Inhalt: Julia Engelmann intoniert pointiert mit intelligenten Textzeilen. Ihr Text ist brilliant. Die Idee, diese Botschaft in einen Hörsaalslam zu transportieren, ist zeitgemäß. Nirgendwo sonst bekommen Dichter der Jetztzeit so viel Aufmerksamkeit. Hinzu kommt noch, dass die Protragonistin bildhübsch, charmant und sympathisch ist.
  4. Der Zeitgeist: Mit ihrem Appell trifft sie den Zeitgeist. Im Text heißt es „…Ich denke zu viel nach, ich warte zu viel ab, und ich mach davon zu wenig!…“. Der Text ist Opium fürs Volk!
  5. Knackige Botschaften: „Mut ist bloß ein Anagramm von Glück!“ oder „Lass mal Dopamin vergeuden!“ sind die Sätze, die mensch als persönliches Mantra gerne annehmen. Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, auf dem Schreibtisch einen kleinen Glückskalender mit netten Sprüchen stehen zu haben…? Weiterlesen

Webvideos und die 10 goldenen Regeln

Immer mehr Unternehmen der Pflegebranche nutzen Webvideos, um sich potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern vorzustellen.  Nichts wirkt besser, als seine Türen zu öffnen und Einblicke ins Unternehmen zu geben. Was sollte man beachten, wenn man Webvideos erstellen möchte und wo kann man sich Anregungen holen?

Um die zweite Frage zuerst zu beantworten:  Im vergangenen Jahr ging ein Phänomen durch die Internetwelt, die sich LipDup nennt. Dabei tut jemand so, als ob er singt und bewegt die Lippen zu einem Lied. Diese Idee hat einer unserer Kunden aufgegriffen. Das Seniorencentrum St. Michael in Werl hat damit einen für Branchenverhältnisse Riesenhit gelandet.  Das Video erzielte fast 15.000 Abrufe bei YouTube.

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Alles eine Frage der Planung

Dazu muss man sagen, dass zwei sehr engagierte Mitarbeiterinnen die Idee über einen Zeitraum von gut einem Jahr haben liebevoll und penibel reifen lassen. Weiterlesen

Von neuen Arten des Wissensaustausches… und was ist eigentlich ein Barcamp?

Besonders in der Pflegebranche, in der Menschen miteinander an Menschen arbeiten, ist Wissenstransfer unerlässlich. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen haben den Anspruch, ihre Arbeit qualitativ gut ausführen zu wollen und nehmen die sich ihnen bietenden Fort- und Weiterbildungs-möglichkeiten gerne wahr. Wie wäre es, wenn sich auch mal innerhalb von Pflegeeinrichtungen ein unkomplizierter Wissensaustausch auf Augenhöhe über alle Bereiche des Hauses einstellen würde? Und was hat das mit den sogenannten Barcamps zu tun, von denen aktuell so viele Menschen reden?

Um mich selbst auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen in der digitalen Welt zu halten und mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, besuche ich sehr gerne Barcamps. Das brachte mich kürzlich auf die Idee, dass diese Art von Tagung oder “Un-Konferenz” für Pflegeeinrichtungen gut geeignet sein könnte. Das Video bei RP online zeigt Eindrücke des BarcampDUS. Bei Wikipedia werden Barcamps beschrieben als “offene Tagung mit offenen Workshops“. Dabei findet ein unkomplizierter Austausch an Wissen und Erfahrung statt, und Menschen aus verschiedensten Bereichen vernetzen sich miteinander. Die Themen sind spannend, die Atmosphäre locker. Hier sitzt der Freiberufler mit dem Marketingchef eines Konzerns in einem Workshop, und es wird auf Augenhöhe diskutiert.

Wissenstransfer von allen für alle auf Augenhöhe

Das „Setting“ ist ganz einfach: Die Teilnehmer bestimmen die Themen, auch Sessions genannt. Jeder kann ein Thema einreichen. Weiterlesen

Mitarbeiterbindung in Zeiten des demografischen Wandels

In Zeiten des demografischen Wandels müssen Unternehmen sich anstrengen, um ihre Belegschaft zu motivieren und zu binden. Eine Befragung  von KCR unter 1.928 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Seniorenwirtschaft hat ergeben, dass Aspekte wie Spaß an der Arbeit, interessante Arbeitsinhalte und die Weiterempfehlung des Arbeitgebers in erster Linie zur Zufriedenheit beitragen. Das Gehalt spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle.

Mitarbeiterbefragung in stationären Senioreneinrichtungen, Konkret Consult Ruhr, 2012

Mitarbeiterbefragung in stationären Senioreneinrichtungen, Konkret Consult Ruhr, 2012

Auf die Unternehmen kommt eine weitere Herausforderung zu: sie müssen die Bedürfnisse und Erwartungen der sogenannten Generation Y befriedigen. Das ist die Gruppe von Menschen, die zwischen 1980 und Mitte der neunziger Jahre geboren wurde. Den GenY zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sie eine gute bis sehr gute Schulbildung genossen hat, viel selbstbewusster auftritt, und gegenüber Arbeitgebern hohe Ansprüche stellt. Ihr selbstverständlicher Umgang mit der digitalen Welt eröffnet ihr direkten Zugang zu Informationen, und sie verfügt über einen großen Wissensdurst. Unter dem Motto YOLO (you only live once) ist ihr Beruf gleichzeitig Berufung. Die Generation Y legt einen hohen Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance, und ist in der Auswahl des Arbeitgebers wenig bis gar nicht kompromissbereit. Sie erwartet, dass Arbeitgeber um sie werben. Im August 2013 hat Elina Munz von FlexBase die Ergebnisse ihrer Bachelorarbeit veröffentlicht. Sie setzt sich darin mit der Mitarbeiterbindung in Zeiten der Generation Y auseinander.

Generation Y @Wissensdurst – und was das für Pflegeeinrichtungen bedeutet Weiterlesen

Bilder im Kopf

Fragen Sie sich auch, warum manche Botschaften im Gedächtnis haften bleiben? „Lebst Du noch oder wohnst Du schon?“ hat sich zumindest in meinem Kopf fest installiert. Ganz aktuell und sehr aufmerksamkeitsstark finde ich den neuen TV-Spot der Aktion Mensch mit dem Satz „Kommt man auch mit Gehhilfe die Karriereleiter hoch?“.

Was passiert da in uns? Das ist mehr als das bloße Erinnern einer Botschaft oder einer prägnanten (oder provokanten?) Frage. Das Kopfkino geht los. Bilder entstehen. Ich bin irritiert, wenn ich über diese Geschichte mit der Gehhilfe und der Karriereleiter nachdenke. Wenn Sie sich den Spot anschauen, dann wissen Sie genau, was ich meine, oder? Ein Denkprozess kommt in Gang, der bei mir folgendes auslöst: einen Aha-Effekt inklusive leichtem Unwohlsein mit verzögertem Spaßfaktor. Ja, genau, es ist diese kuriose Mischung. Und dann sitzt die Botschaft und – zack – hat sie sich im Kopf eingenistet.

Storytelling

Storytelling ist die hohe Kunst, eine Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern die Menschen denkend zu machen. Es sind die raffinierten Wortspiele, die uns berühren. Werbeschaffende werden für so etwas mit Preisen überhäuft. Es verwundert nicht, dass es immer wieder Walt Disney ist, der als der größte Storyteller aller Zeiten erwähnt wird. Um Bilder im Kopf entstehen zu lassen, Irritationen auszulösen und die Dinge mal aus einer anderen Perspektive zu sehen braucht es mehr als Farbe und Zeichenstift. Er hat es uns gezeigt. Beim Storytelling dreht sich alles darum, die Geschichte richtig zu erzählen – und nicht nur darum, die richtige Geschichte zu erzählen.

Um Zielgruppen wirksam anzusprechen und dazu zu bewegen, etwas zu tun – etwa mit dem potentiellen Arbeitgeber in Kontakt zu treten – braucht es die richtig erzählten Geschichten.
In Workshops zur Arbeitgebermarke lernen unsere Kunden, ihre eigene Geschichte im Kontext ihrer Arbeit vermitteln zu können. Das Ergebnis sind authentische Portraits, die Emotionen transportieren, Innenansichten vermitteln und auf eines verzichten: auf weichgezeichnete Hochglanzbilder. Es geht vielmehr darum zu zeigen wie es sich hier arbeitet, mit wem man es zu tun hat, was die Einrichtung so einzigartig macht und wer die Typen sind, die „den Laden schmeißen“. Dabei kommen oft interessante Geschichten heraus, die viele Facetten haben. Zum Beispiel die von Dennis Vohl.

Um die Story rund zu machen, lenke ich den Scheinwerfer auf das Beraterteam, und zwar mit der Frage: „Was machen Berater, um die Geschichten aus den Mitarbeitern heraus zu holen?“ Die Antwortet lautet: „Wir machen die Menschen denkend.“ Probe gefällig? „Schreiben Sie doch mal eine Gebrauchsanleitung für sich.“

Und? Schon Bilder im Kopf? It’s magic…

Froh zu sein bedarf es wenig!? Werte in der Pflegearbeit und Mitarbeiter als Markenbotschafter.

Schluss jetzt, genug gejammert! Wir können es alle nicht mehr hören: Pflegenotstand, weil Pflegeberufe unattraktiv sind. Der Nachwuchs bleibt aus, Einrichtungen finden kein frisches Personal. Die Bezahlung ist mies. Na, klar ist an allem etwas Wahres dran. Aber mal Hand aufs Herz: Wer, wenn nicht die Pflegeeinrichtungen selbst sind in der Lage, dieses Bild anders zu malen und ihm eine andere Farbwelt zu verpassen?

Gehen wir doch mal einen Schritt weiter: Was macht erfolgreiche Pflegeeinrichtungen aus? Es sind die starken, gut ausgebildeten Menschen, die dort arbeiten. Sie machen ihren Beruf mit Leidenschaft. Aus unseren Gesprächen mit Mitarbeitern unserer Partner wissen wir, dass sie ihre Arbeit als sinnstiftend beurteilen. Das sind doch Werte, die es aufzugreifen gilt! Die Mitarbeiter sind stolz auf das, was sie leisten. Viele sind gar nicht daran interessiert, Karriere zu machen. Vielmehr möchten sie ihre Arbeit GUT machen. Was hilft ihnen dabei? Gute Fort- und Weiterbildungen, die idealerweise der Arbeitgeber bezahlt und vielleicht sogar während der Arbeitszeit absolviert werden können. Oder der Gebrauch neuer Technologien, wie der Einsatz von tablet PCs, werden ebenfalls positiv gesehen. Nicht zu vergessen die verschiedenen Arbeitszeitmodelle: Besonders für Menschen, die in Teilzeit arbeiten wollen, bieten Pflegeeinrichtungen solche Möglichkeiten an.

Aus Sicht der Mitarbeiter gibt es ein klares Werteraster in Bezug auf ihre Arbeit: Sinnstiftende Tätigkeit, stets frisches Handwerkszeug, um die Arbeit gut und besser zu machen, am 1. des Monats das Geld auf dem Konto zu haben, die richtige Portion Humor, um die täglichen beruflichen Herausforderungen besser bewältigen zu können. Ja, auch mit Demenzkranken darf gelacht werden. Dann die Zusammenarbeit unter den Pflegekräften: Kaum ein Berufszweig berichtet von so guter Teamarbeit wie die Pflegebranche. Denn es kommt für sie darauf an, mit Menschen am Menschen zu arbeiten.

Wenn es darum geht, an potentielle Bewerberinnen und Bewerber heranzutreten, und zudem das vorhandene Personal gebunden werden soll, dann müssen solche Botschaften transportiert werden. Und wer könnte das besser und glaubwürdiger machen als die eigenen Mitarbeiter? Wir kennen das aus anderen Bereichen: ich frage auch erst meine Freunde, wie sie ein bestimmtes Hotel beurteilen und lese Bewertungen im Internet, bevor ich buche. Mitarbeiter als Markenbotschafter – auch das kann Pflege, besonders dann, wenn es um die Fachkräftesicherung geht. Hier wird Personalmarketing auf den Kopf gestellt: Einrichtungen bewerben sich via Mitarbeiter als Markenbotschafter bei den Interessenten.

Ich möchte einen Einrichtungsleiter zitieren, mit dem ich ein Markenbotschafterkonzept entwickelt habe. Seine Worte am Ende des Workshops waren: „Das Ziel ist erreicht, wenn Bewerber bei uns anfragen, ob sie hier arbeiten können.“ Ich finde, das ist ein erstrebenswertes Ziel.